Korkenzieher-Modelle

Um eine Weinflasche zu öffnen gibt es diverse kreative Möglichkeiten. Jeder kam bestimmt schon mal in die prekäre Lage, sich Ausdenken zu müssen, wie man den Korken ohne Korkenzieher aus der Flasche bekommt. Häufig steckt der Korken derart fest im Hals der Flasche, dass dieser mit dem vorhandenen Gerät nur unter hohem Kraftaufwand entfernt werden kann oder ungünstiger Weise zerbröselt im Wein landet. Da ein Korken eigentlich schnell, leicht und vor allem heil aus der Weinflasche gezogen werden sollte, ist hier ein geeigneter Korkenzieher unerlässlich. Da es eine Vielzahl von unterschiedlichen Modellen gibt, stellen wir hier die gängigsten Varianten kurz und bündig vor und erklären ihre Funktion.

T-Korkenzieher

T-Korkenzieher-Modell
Der T-Korkenzieher ist das Standard-Modell unter den Korkenziehern.
Der T-Korkenzieher ist wohl die bekannteste, einfachste und auch älteste Ausführung. Jeder kennt das Modell aus Taschenmessern und diversen Multifunktionstools. Einigen Quellen besagen, dass die ersten Modelle bereits im 17. Jahrhundert entwickelt wurden und im 18. Jahrhundert nicht nur zum Öffnen von Weinflaschen, sondern auch von Medizin-, Kosmetikfläschchen und Parfümflakons verwendet wurden. Der Korkenzieher besteht aus einer Wendel oder einer Schraube mit Spitze, die am Quergriff befestigt ist (siehe Bild rechts). Da am Griff erhebliche mechanische Kräfte wirken, besteht der Griff meist aus widerstandsfähigem Material wie Sterling-Silber, Rebenholz, Knochen, Horn oder Buchsbaum. Früher waren die Griffe oftmals verziert oder als Figuren gestaltet, die oft gar nichts mit Wein zu tun hatten.
Ein T-Korkenzieher ist in der Regel sehr preiswert, unverwüstlich und kompakt. Leider erfordert das Öffnen einer Weinflasche einen gewissen Kraftaufwand und kann mit dem Gewinde den festsitzenden Korken zerstören.

Kellnermesser / Sommeliermesser

Das Kellnermesser, oft auch als Sommeliermesser bezeichnet, gehört zur Gruppe der Taschenhebelkorkenzieher und wurde im Jahre 1882 durch Herrn Carl Weinke aus Rostock patentiert. Der Korkenzieher-Klassiker hatte seine Geburtsstunde, wie viele annehmen, nicht in Frankreich, sondern bei uns in Deutschland. Das Korkenzieher Modell verdankt seinem Namen der Tatsache, dass in der Gastronomie fast ausschließlich mit diesem Modell oder Abwandlungen davon gearbeitet wird. Optisch erinnert diese Korkenzieher Variante eher an ein Taschenmesser, hat aber letztlich mit diesem wenig zu tun. Das international verbreitetste Korkenhebermodell besteht aus einer Klinge zum Kapselabschneiden (Folienschneider), einen auf dem Flaschenhals zu fixierenden Anschlag und einem Griff, der als Hebel zum Herausziehen des Korkens dient. Mit der Klinge wird die Kapsel am Flaschenhals abgetrennt und die Spindel dann in einem leichten Winkel in der Mitte des Korkens so weit wie möglich eingedreht. Danach wird der Hebel am Flaschenhals angesetzt, so dass der Korken mit Hilfe der Hebelwirkung zügig und vor allem sanft aus der jeweiligen Weinflasche befördert werden kann. Wenn Profis wie Sommeliers einen Wein mit diesem Korkenzieher öffnen, dann sieht das oft kinderleicht aus. Doch unser Selbstversuch zeigt, dass ein wenig Geschicklichkeit bzw. Erfahrung vorhanden sein sollte.
Beispiel: Benkia Kellnermesser

Überdruckkorkenzieher

Der Überdruckkorkenzieher wurde in den sechziger Jahren patentiert und kann im Vergleich zu anderen Modellen eher als Außenseiter bezeichnet werden. Beim Überdruckkorkenzieher wird eine Hohlnadel bzw. Dorn durch den Korken in die Flasche gestochen, um dann Luft oder Kohlendioxid mittels Gas-Kartusche (kommt auf das Modell an) in die Flasche zu pumpen. So entsteht in der Flasche ein Überdruck, der den Korken von Innen aus der Flasche drückt. Einige Experten sind auf den Überdruckkorkenzieher nicht so gut zu sprechen, da sie überzeugt sind, dass der durch den Überdruck erzeugte Stress das Aroma des Weins beeinträchtige. Wir können aus unseren Erfahrungen diese These bis jetzt nicht bestätigen. Diese Art von Korkenzieher ist ein echter Hingucker auf jeder Party. Da viele diesen Korkenzieher nicht kennen, ist diese Variante auch gut als Geschenk geeignet. Ein weiterer Vorteil ist, dass quasi keine Kraft aufgewendet werden muss, um eine Weinflasche zu öffnen.
Beispiel: Luftdruck Korkenzieher von innov4to

Tisch- und Hebelkorkenzieher

Tischkorkenzieher und Hebelkorkenzieher basieren beide auf dem identischen Grundprinzip. Sie unterscheiden sich nur darin, dass der Hebelkorkenzieher ein mobiles Handgerät ist. Der Tischkorkenzieher wird wie der Name es schon vermuten lässt, fest mit der jeweiligen Arbeits- oder Tischplatte oder dem Tresen verbunden. In der Handhabung wird beim Hebelkorkenzieher eine Hand zum Einklemmen des Flaschenhalses mittels einer zangenartigen Vorrichtung und die zweite Hand für den Hebel verwendet. Beim Tischkorkenzieher wird die Weinflasche von unten gegen den Korkenzieher geführt. Dann wird der Hebel nach vorne bewegt, wobei sich die Spindel in den Korken bohrt. Zum Schluss wird der Hebel zurückgelegt und der Korken aus der Flasche gelöst. Viele Menschen lieben diesen Korkenzieher, da man mit den guten Modelle den Korken (egal ob Natur- oder Synthetikkorken) ohne jeglichen Kraftaufwand wie Butter aus der Flasche drehen kann.
Beispiel: Le Creuset Screwpull Leverpull LM-G10S

Glockenkorkenzieher

Der Glockenkorkenzieher ist ein Korkenzieher mit Rotationsprinzip, der sich gerade in früheren Jahren, aber auch noch heutzutage großer Beliebtheit erfreut. Von Edward Thomason am Anfang des 19. Jahrhunderts als Teleskopmodell weiterentwickelt, besticht das Modell durch sein einfaches Prinzip. Der Korkenzieher muss nur auf die Weinflasche gesetzt und gedreht werden (Die Glocke sichert das zentrierte Eindrehen des Gewindes). Wenn man nicht mehr weiter drehen kann, muss nur der Klappmechanismus des Oberteils gelöst und weiter gedreht werden. Bei dem Vorgang wird der Korken mit einer enormen Kraftersparnis aus der Weinflasche gezogen. Ein Vorteil dieses Korkenziehers ist unter anderem, dass der Korken sich glatt und in einem Stück herausziehen lässt. Die Weinflasche wird nicht geschüttelt und damit auch kein lästiger Bodensatz aufgerüttelt.

Screwpull Korkenzieher

Es gibt vom Glockenkorkenzieher auch noch eine optimierte Variation, die in den siebziger Jahre vom Amerikaner Herbert Allan entwickelt und Screwpull (englisch für drehen und ziehen) getauft wurde. Screwpull Korkenzieher oder auch nur Screwpull steht seit dieser Zeit als Synonym für alle Anfertigungen jener Art. Der automatisch, also unter Ausnutzung des Drehmoments, arbeitende Korkenzieher wird einfach auf die Flasche gesetzt. Dann dreht man die ungewöhnlich dünne, lange und elastische Spindel solange in den Korken, bis dieser sich von selbst hebt und sicher aus dem Flaschenhals gleitet. Da die Durchführung so leicht von der Hand geht, wird das Modell von einigen spöttisch als sogenannter Damenkorkenzieher, von anderen aber auch als einer der durchdachtesten und praktikabelsten Korkenzieher der Welt bezeichnet. Für jeden, der fast keine Kraft beim Öffnen eines Weines aufbringen möchte, ist der Screwpull eine otpimale Wahl.

Flügelkorkenzieher

Flügelkorkenzieher
Der Flügelkorkenzieher ist ein einfach zu handhabender Korkenzieher, der mit Hebelkraft den Korken zieht. Quelle
Der Flügelkorkenzieher ist ebenfalls ein sehr bekanntes Korkenzieher Modell, das nach der bekannten Hebeltechnik funktioniert und daher auch leicht für jeden zu handhaben ist. Die Glocke (auch Ring oder Cage genannt) muss wieder einfach nur auf den Flaschenhals gesetzt werden. Danach dreht man die Spindel in den Weinkorken bis der Ring festsitzt. In diesem Schritt bewegen sich die beiden Hebel oder auch Flügel genannt gleichzeitig nach oben (beim Drehen sollte man die Hebel/Flügel also nicht festhalten). Drückt man die Hebel/Flügel dann einfach zur Seite runter, wird der Korken ganz leicht aus dem Flaschenhals gehebelt. Kraftschonend, handlich und einfach zu bedienen – was will man mehr bei einem Korkenzieher?
Beispiel: WMF Clever & More

Federzungen-Korkenzieher

Ein Federzungen-Korkenzieher, der wahrscheinlich im Jahr 1879 in San Francisco von einem gewissen Luciano Mumford entwickelt wurde, besteht aus zwei unterschiedlich langen Zungen aus Federstahl, die parallel zueinander im Abstand eines Korkens am Griff befestigt sind. Der Korkenzieher wird vor allem bei bröseligen, alten und weingetränkten Korken verwendet, die man für eine wiederholte Benutzung erhalten möchte. Beim Öffnen werden zunächst die Zungen rechts und links zwischen Korken und Flaschenhals angesetzt und der Korken erst mittels fortschreitender Schwingungsbewegungen und dann unter Zug aus der Flasche herausgedreht. Die Prozedur sollte geübt sein, bevor man sein erstes Date mit einem Federzungen-Korkenzieher beeindrucken möchte. Für Plastikkorken ist das Modell leider weniger geeignet.